Das USI
Geschichte
USI Wien

Die Geschichte des USI Wien

Die "Universitäts-Turnanstalt (UTA)" wurde am 24.September 1848 gegründet. Zwischen der versuchsweisen Einführung eines Gymnastikunterrichtes von Rudolph von Stephani für 150 ausgewählte Universitätshörer im Jahre 1848, und dem heutigen Status-quo, einem Angebot für etwa 20 000 Studierende pro Jahr, organisiert von einem universitären Institut, liegt eine wechselhafte Geschichte.

Die Biographie war von Beginn an abhängig von der politischen Situation des Landes, seinen finanziellen Mitteln und der Gesinnung ministerieller Entscheidungsträger. Weiters ist die Entwicklung untrennbar verbunden mit dem Ausbau und der Entwicklung der Leibesübungen, bzw. des Sports im Allgemeinen. Nichtsdestotrotz ist der Aufschwung geprägt vom Engagement und dem Geschick einzelner Persönlichkeiten und effizienter Teamarbeit.

Es ist jedenfalls erstaunlich, daß inmitten der Märzrevolution der Grundstein für den freiwilligen Studentensport und die heutige Turnlehrerausbildung gelegt wurde. War der Unterricht vorerst über die private Gymnastikanstalt provisorisch, so kam es 1850 zur geregelten Anstellung von Rudolph von STEPHANI als vom Staat besoldeter "Universitäts-Turnlehrer". Nachdem Stephani einen passenden Sommerturnplatz (im Obstgarten des Theresianums) und den ehemaligen chemischen Lehrsaal des alten Akademischen Gymnasiums für den Winter adaptiert hatte, bemühte er sich um die Ausbildung von Lehramtskandidaten an der Universitäts-Turnanstalt (UTA) und um die Einführung des Turnens an Schulen. Diese Zeit erlebte er jedoch nicht. Die unter seiner Leitung blühende UTA war bereits unter seinem Nachfolger, Gustav STEGMEYER, das erste Mal existentiell bedroht. Die finanzielle Unterstützung wurde vom Ministerium gestrichen und sowohl der Sommer- als auch der Winterturnplatz gingen verloren. Nach einem Negativrekord von nur 10 Studenten im Sommersemester 1872 verbesserte sich die Situation unter dem anerkannten Turntheoretiker und erstem Direktor der UTA, Johann Hoffer. Ab Mai 1885 konnte der Betrieb in den bis heute erhaltenen Räumlichkeiten der neu errichteten Universität aufgenommen werden. Von offizieller Stelle wurde Johann HOFFER auch mit der Leitung des "Turnlehrerkurses" betraut. 1891 übernahm Gustav LUKAS die Agenden seines Vorgängers. Die einsetzenden Reformen auf dem Gebiet der Leibesübungen und die Unterstützung seitens der damaligen Universitätsbehörde brachten eine starke Erweiterung.

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges konnten die Neuerungen jedoch nicht wirksam werden. Gustav Lukas wurde beurlaubt und die Räumlichkeiten der UTA als Lazarett und Lager verwendet. In der Not der ersten Friedensjahre konnte die UTA, dank Einschreiten turnfreundlicher Hochschulkreise, 1923 mit Dr. Erwin Mehl, vorerst als provisorischem Leiter, wieder eröffnet werden.

Seit 1919 trennen umwälzende allgemeine Reformtätigkeiten der Unterrichtsbehörde den "Turnlehrerbildungskurs" von der UTA und erhoben ihn in den Rang eines Universitätsinstitutes. Das Angebot der UTA erweiterte sich besonders auf dem Gebiet "Freiluftübungen". Erstmals wurden Kurse für Frauen ausgeschrieben. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme erfolgte auch im Sportbereich eine radikale, weltanschaulich geleitete organisatorische und inhaltliche Umgestaltung. Mit Fortdauer des zweiten Weltkrieges und seinen Folgen brach der gesamte Studienbetrieb zusammen.

HR Prof. Rudolf OTEPKA, der erste Nachkriegsdirektor stand bei seiner Ernennung 1946 mit zwei Hallenaufsehern und einer Kanzleikraft vor einem Trümmerhaufen. Unter großen Anstrengungen konnte der UTA-Betrieb fachlich, personell und organisatorisch enorm ausgeweitet werden. So waren 1964 bereits 15 000 Inskriptionen zu verzeichnen und kamen 60 Übungsleiter, sowie 120 Skilehrer zum Einsatz. Neben dem Ausbau des Allgemeinen Übungsbetriebes und der Skikurse, organisierte die UTA unter anderem akademische Meisterschaften, Wochenendausflüge und das legendäre Sommerlager am Weißensee. 1970 verstarb HR Rudolf Otepka und HR Prof. Gernot SCHINDLER trat seinen Dienst als Direktor an. Durch die Errichtung und Übersiedlung in das Universitäts-Sportzentrum (USZ I) konnte der akute Mangel an Übungsstätten vorübergehend gelindert werden. Dadurch stieg die Anzahl der TeilnehmerInnen verstärkt an. Intern wurde die UTA umstrukturiert und Fachvorstände für bestimmte Aufgabengebiete bestimmt.

In die Periode Dir. Schindlers, aufgrund des UOG 75, fällt auch die Emeritierung des bisherigen Vorstandes Univ. Prof. Dr. W.M. PLÖCHL und die Umbenennung der UTA in UniversitätssSportinstitut (USI). Von nun an wird das USI vom Direktor selbstständig geleitet und bei vorgesetzten Gremien vertreten.

Nach der Pensionierung von HR Prof. Gernot Schindler, wurde HR Prof. Franz SCHMETTE als Direktor eingesetzt. Unter ihm stieg das USI in das "Management-Zeitalter" ein. Anmeldung und Verwaltung wurde durch EDV-Einsatz verbessert. Ein weiteres Anliegen bestand in einer qualitativen Verbesserung des Sportangebotes. Als Folge hoher Belastung in Ausübung seiner Funktion erkrankte HR Prof. Franz Schmette völlig unerwartet und reichte seine Pensionierung ein. Im April 1990 erfolgte die Ernennung Prof. Rudolf OTEPKAS zum neuen Direktor. Der akademische Senat beschloß die zu erwartende, stärkere Autonomie der Universitäten mit dem USI zu erproben.

Eine Sportkommission als Bindeglied zwischen Akademischen Senat und USI, sowie ein jährlicher Bericht über die sportliche, organisatorische und wirtschaftliche Situation gibt einerseits dem Akademischen Senat die Möglichkeit einer genauen Kontrolle, andererseits war es die Chance des USI relativ unbürokratisch arbeiten zu können. Die sich ergebenden Möglichkeiten wurden geschickt für ein sowohl quantitativ, als auch qualitativ weiter verbessertes Sportangebot genutzt. Die vorhandenen Sportstätten und Sportheime wurden renoviert und den derzeit Qualitätsansprüchen angepaßt. Neue Sportstätten wurden in die Verwaltung übernommen und das dazu notwendige Personal mit privatrechtlichen Arbeitsverträgen angestellt. Mit dem Studienjahr 1993/94 war die Übersiedlung in das neue USZ II abgeschlossen und die eingeengte Arbeitssituation in den Büros beseitigt. Im selben Jahr war das Angebot an Kursen auf über 100 Sportsparten angewachsen und die Teilnehmerzahlen überschritten erstmals 50 000 Inskriptionen.

Am 1.10.1997 verabschiedete sich Prof. Rudolf Otepka in einer würdigen Feier im Festsaal der Universität Wien. Am gleichen Tag wurde Prof. Dr. Fritz KAISER offiziell als neuer Direktor ernannt.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hatte sich Direktor Kaiser angehäufter Altlasten zu entledigen. Von seinem Vorgänger „bona fide“ erwirkte „Handschlagsverträge“ mit dem Stadtschulrat für Wien erwiesen sich als nicht haltbar. Das USI-Wien  verlor mit dem „Schulschiff“ eine seiner attraktivsten Sportstätten.
Spezielle gesetzliche Änderungen, wie etwa die „Werksvertragsregelung“, oder die neue Sozialversicherungspflicht für nahezu alle Lehrer stellten eine große Herausforderung dar. Auch das „Kippen“ des UOG 93 und eng damit verbunden die rechtliche Verankerung sämtlicher Universitätssportinstitute standen ungelöst im Raum.

Dr. Kaiser, der für seine 1992-1996 durchgeführten wissenschaftlichen Arbeiten „Druckverteilungsmessungen im Skischuh während des Schwingens“ einen Wissenschaftspreis erhielt, blieb auch in seiner Zeit als Direktor eng mit der Materie des Skilaufs verbunden. Er verstand es, seine Mitarbeiter zu motivieren, die anstehenden gesetzlichen Änderungen zu einem guten Ende zu führen. Zusätzlich hatte er den Vorteil, dass während seines Direktoriums sein Kletterkollege Univ. Prof. Dr. WINCKLER zum Rektor ernannt wurde. Diese „Seilschaft“ sollte sich nicht zum Nachteil des Institutes entwickeln.

In vielen persönlichen Gesprächen mit dem Wissenschaftssprecher der Regierung Dr. Martin GRAF und Sektionschef Dr. Wolf FRÜHAUF vom BMfWuF gelang es dem damaligen stellvertretenden Direktor des USI-Wien die Universitätssportinstitute im kommenden UG 2002 zu verankern (§ 40). Speziell der Absatz 2 schuf die finanzielle Unabhängigkeit: „die Universitätssportinstitute sind in der Leistungsvereinbarung und im Rechnungsabschluss sowie im Leistungsbericht der betreffenden Universität gesondert auszuweisen“.

Erst im Jahr 2004 wurde das UG 2002 für die Sportinstitute schlagend. Als größte Problematik erwies sich die Auffassung der Personalabteilung der Universität Wien, dass die Lehrbeauftragten am USI-Wien zukünftig nur mehr 4-6 Stunden unterrichten dürften. Dieser schwierigen Situation musste sich Prof. Kaiser nicht mehr stellen. Als frisch gebackener Vater trat er per 1.11.2004 in den Ruhestand.
Der Rektor ernannte Prof. Dr. Franz BENDA, der während der Ära Kaiser bereits Stellvertreter war, zum provisorischen Leiter. Ihm gelang es in vielen Gesprächen die zuständige Vizerektorin Fr. Dr. SEBÖK zu überzeugen, dass eine große Zahl der Sportlehrer ihre hauptberufliche Tätigkeit am USI hatten, und daher mit einem nur 4-6 stündigen Unterricht nicht das finanzielle Auskommen finden konnten. Fr. Vizerektorin Dr. Sebök ist es zu verdanken, dass ihr ausgearbeitetes Konstrukt es ermöglichte, USI-Lehrer mit bis zu 30 Wochenstunden zu beschäftigen. Fr. Dr. Sebök, die bereits in den Ruhestand getreten ist, sei im Namen aller USI-Lehrer herzlichst gedankt.
Dr. Benda war es ein großes Anliegen, dass möglichst viele Lehrbeauftragten zu einem Emailacount der Universität Wien gelangten, damit eine rasche Verständigung möglich wurde. Dank des Einsatzes des für sie EDV zuständigen Abteilungsleiters Mag. Gerhard HEINBERG kam es rasch zu einer Lösung. In Prof. Bendas Amtszeit als provisorischer Leiter fielen die Vorbereitungen für eine neu zu errichtende Sportstätte, die unter seinem Nachfolger Realität wurde.
Im Frühjahr 2005 wurde der Posten eines nunmehrigen „Leiters“ (Vertragsverlängerung alle 5 Jahre) des USI-Wien ausgeschrieben.

Per 1.7.2004 wurde Prof. Dr. Andreas KELLNER zum neuen Leiter ernannt. Sein vorrangiges Anliegen war, das komplizierte und aufwendige Inskriptionssystem zu verbessern. Warteschlangen an den Anmeldekassen sollten möglichst vermieden werden.

Der erste Schritt dazu war die Installierung von sogenannte „Selbstbedienungsautomaten“. Bereits 2006 wurden SB-Terminals in mehreren Sportstätten aufgestellt, und werden seit damals stark frequentiert. Damit noch nicht zufrieden drängte Dr. Kellner eine Lösung für eine Online-Anmeldung zu finden. Wieder ist es dem EDV-Experten Mag. Heinberg zu danken, dem Ziel einen Schritt näher zu kommen. Bereits 2012 dürfte ein Probebetrieb einer Onlineanmeldung zur Realität werden.

In die Ära Kellner fällt auch das größte Bauvorhaben der Institutsgeschichte. Verbunden mit der Absiedlung der Räumlichkeiten der „alten UTA“ im Unihauptgebäude wurde nach jahrelangen Provisorien am Sportplatz „Sensengasse“ der Plan eines Neubaus aktuell. An Stelle der alten Baracken entstand ein multifunktionales Sportzentrum mit 4 Hallen, einem Gymnastikraum, Garderoben, Sanitärbereich, Büros und einem modernen Fußballplatz mit Kunststofflaufbahn.

Im gesetzlichen Bereich stellte die „Kettenvertragsregelung“ eine große Herausforderung dar. Um in kein Naheverhältnis zur Universität zu kommen, sollte auf Wunsch des Gesetzgebers ein Großteil der USI-Lehrer ein Jahr aussetzen, um erst nachher wieder die Unterrichtstätigkeit aufnehmen zu dürfen. Von dieser Regelung wären anfänglich 125 LehrerInnen betroffen gewesen. Prof. Kellner gelang es in zähen Verhandlungen die Anzahl auf 25 Personen zu reduzieren.

Sein enormer Einsatz sollte Garantie dafür sein, dass auch in Zukunft sämtliche anstehenden Probleme gelöst werden können!